Arbeitsvorbereitung Nähen – Schnitt mit Kreide übertragen

Schnitt mit Kreide übertragen | TOSCAminnni

Schnittmuster erst mit Kreide auf den Stoff zu zeichnen – lohnt sich die Arbeit? Über dieses Thema habe ich mir in den letzten Wochen Gedanken gemacht. Auslöser ist der Videokurs, den ich in der @Schneiderakademie gebucht habe. Zusammen mit Herrn Wimmer kann man Videos durcharbeiten und die Projekte Schritt für Schritt mitnähen. Ich kann die Kurse nur empfehlen, auch wenn ich mich wiederhole :O). In der Tat nähe ich schon sehr lange, habe es aber leider nicht von der Pike auf gelernt, so dass mir doch einiges an Wissen abgeht. Es war bisher kein einziges Video dabei, in dem ich nichts gelernt hätte. Vor allem die Kleingkeiten machen einem das Nähleben leichter. Inzwischen habe ich einen sehr ausgeprägten Hang zur Perfektion.

Was mir nun aufgefallen ist, obwohl Herr Wimmer sein Handwerk im Schlaf beherrscht, arbeitet er absolut sorgfältig und trennt auch einmal auf, wenn es nicht gleich gelingt. Und, für mich eine ganz wichtige Botschaft, es wird nicht gehetzt alle Schritte werden in Ruhe erledigt. Ein Handwerk dauert so lange, wie es dauert. Natürlich ist ein Geübter etwas schneller aber auch hier ist irgendwann das Limit erreicht. Mir fällt auf, wenn ich so im Internet auf diversen Seiten unterwegs bin, dass sich viele total hetzen, weil man es kaum erwarten kann, das fertige Ergebnis zu sehen, früher war ich genauso. Aber es soll ja auch irgendwie ein schöner Zeitvertreib sein, bei dem man zur Ruhe kommt.

Aber was wollte ich eigentlich sagen. In jedem Video ist mir aufgefallen, dass Herr Wimmer ein Schnittteil nach dem anderen auf den Stoff legt und dieses mit Kreide nachzeichnet. Es werden alle Markierungen übertragen, es wird zum Teil die linke Stoffseite markiert, wenn man diese von der rechten nicht so wirklich unterscheiden kann und wenn Schnittteile zu Verwechslungen führen können, werden auch diese mit Kreide beschriftet. Beim Ansehen der Videos dachte ich mir, ob sich dieser Zeitaufwand lohnt, da Schnitt auflegen und ausschneiden viel schneller geht (aber ist „SCHNELLER“ immer sinnvoll??)

Ich wollte den Mehrwert darin erkennen, deshalb habe ich jetzt meine letzten Projekte auch erst aufgezeichnet, die Passpunkte übertragen und anschließend erst zugeschnitten.

 

 

Es hat in der Tat etwas für sich aus folgenden Gründen:

1. Lerne ich den Schnitt kennen und kann mir während des Auflegens bereits Gedanken über die Verarbeitung machen

2. Da ich nur eine Tätigkeit erledige, also die des Schnittaufzeichnens, habe ich die Übertragung der Passpunkte nicht vergessen, was mir beim Zuschneiden ohne Vorzeichnen, doch desöfteren passiert und das empfinde ich als sehr ärgerlich, wenn ich an der Nähmaschine sitze und die Passpunkte fehlen

3. Ich kann meine Schnittteile wesentlich sparsamer auf dem Stoff platzieren

4. Ich markiere mir auch gleich die Naht- und Saumzugaben – eine nicht zu unterschätzende Erleichterung die sich anschließend beim Vorbügeln und Nähen zeigt

5. Die Teile lassen sich ohne aufgelegte Schnitte wesentlich angenehmer zuschneiden, da nichts mehr verrutschen kann

6. und auch ein nicht unwesentlicher Punkt für mich persönlich – ich komme zur Ruhe – auf neudeutsch mein Flow läuft

Man sollte das alles nicht unterschätzen. Auch konnte ich feststellen, dadurch, dass die Passpunkte aufgezeichnet sind, verrutscht nichts und diese passen wirklich sehr exakt.

Aufgezeichnet wird mit >>weißer Kreide:  Gibt’s bei Amazon und das hier ist keine bezahlte Werbung sondern einfach ein Tipp, weil nämlich nicht alle Kreiden funktionieren. Diese hier tun es und ich bin absolut mit der Kreide zufrieden. Und es gibt auch einen Kreidespitzer dazu, dessen Anschaffung absolut sinnvoll ist.

Was ich mit den Videos neben einer Menge Fachkenntnisse gelernt habe, ist, in Ruhe zu arbeiten, die Arbeit als schönen Weg anzusehen und sich letztendlich über das perfekte Ergebnis zu freuen. Wenn ich auf der Straße gefragt werde, wo ich meinen Mantel, Kleid, Hose oder sonstiges gekauft habe, macht es mich zufrieden, weil es nicht selbstgenäht aussieht. Und das sollte das Ziel sein, ein Handwerk und sei es auch nur ein Hobby, perfekt zu erlernen. In einer Ausbildung geht es schnell, als Hobby dauert es etwas länger aber erreichen kann dieses Ziel jeder. Und was mir auch aufgefallen ist, Herr Wimmer verbringt sehr viel Zeit damit, seine Projekte zu bügeln. Ich tu das übrigens auch. Und es kann durchaus sein, was vorher sehr bescheiden aussah, bekam durch das Bügeln seinen perfekten Sitz und sein schönes Aussehen.

Vielleicht mögt Ihr es auch mal ausprobieren, mehr Zeit in Euer Projekt zu investieren und die Arbeitsschritte zu geniessen, die man vielleicht nicht so gerne macht – das Ergebnis wird sich lohnen :O)

Alles Liebe

Eure Silvi

 

Veröffentlicht am 21. Oktober 2022.