Warum Stricken und Nähen zusammenpassen
Ich gebe es zu (hüstel) ich bin ein Horter und Sammler von Handarbeitsmaterialien. Seien es Stoffe, Filzwolle oder auch Wolle. Im Laufe der Zeit bin ich von einem Hobby zum nächsten gewandert und so haben sich zu den verschiedensten Themen viele Vorräte angesammelt.
Könnt ihr euch noch an den Slogan erinnern: „Geiz ist geil“ ? Das betreibe ich im Moment. Ich habe mir auferlegt keine Materialien mehr zu kaufen und dafür aus dem Vorhandenen trotzdem ansprechende Projekte zu erstellen.
Nachdem ich früher wahnsinnig gerne gestrickt habe und auch hier noch zahlreiche Wollpakete herumliegen, dachte ich mir ich stricke einfach mit rechten Maschen geradeaus vor mich hin. Ich stricke gerne, habe aber keine Nerven mehr, die Teile in Form zu stricken und komplizierte Muster zu testen. Deswegen dachte ich die einfach glattgestrickten Bahnen werden zugeschnitten so wie Strickstoff auch verarbeitet wird und ich pimpe das Ganze mit Stoffen auf. Es ist jetzt nicht direkt ein Upcycling Projekt, geht aber in diese Richtung. Ich arbeite unkonventionell und setzte Nähregeln für mich außer Kraft. Es ist eher ein Vorratscycling (das klingt doch raffiniert, oder?)
🧵 Das Wichtigste in Kürze:
Stricken und Nähen kombinieren
- Der gelbe Teil der Jacke ist selbst gestrickt.
- Der obere Teil besteht aus weißem Meterware Strickstoff.
- Die schwarzen Punkte sind als besondere Details in den Strickstoff eingearbeitet = Stoffmanipulation.
Aus Wolle und Strickstoff entsteht eine Jacke

Einfach stricken statt kompliziert
Du strickst einfache Flächen, ohne aufwendige Zu- und Abnahmen. Anschließend behandelst du das Gestrick ähnlich wie einen Strickstoff und schneidest daraus die benötigten Schnittteile zu. Der Schnitt sollte möglichst schlicht und geradlinig gehalten sein. Teilungsnähte eignen sich hier weniger für dieses Modell mit selbst gestaltetem Stoff.

So entsteht der selbst gestrickte Stoff
Wenn ich meine Stoffe Stricke gehe ich so vor:
Ich gehe davon aus, dass du genauso wie ich rechte Maschen stricken kannst. Falls nicht, findest du auf YouTube viele einfache Grundkurse. Mehr Vorkenntnisse brauchst du nicht.
Ich verwende eine etwa 50 cm lange Rundstricknadel in Stärke 5 (damit es schneller geht), schlage je nach Wollstärke ca. 120 Maschen an und stricke in Runden glatt rechts, bis die Wolle aufgebraucht ist.
Dabei plane ich die Breite so, dass ich jeweils ein Vorder- oder Rückenteil daraus zuschneiden kann. Als Orientierung dient mir mein Grundschnitt. Eine Maschenprobe hilft dir, die benötigte Maschenzahl zu ermitteln. Ein paar zusätzliche Maschen geben dir etwas Spielraum.
Je mehr Wolle du hast, desto mehr Gestricktes kannst du einarbeiten. Bei kleineren Mengen setzt du damit einfach dekorative Akzente. Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Nach dem Stricken wird die Fläche vorsichtig gedämpft, damit du sie weiterverarbeiten kannst. Anschließend suchst du dir passende Stoffe oder Kleidungsstücke zum Upcyceln dazu.
Du musst kein Strickprofi sein, um aus einfachen Maschen und vorhandenen Stoffen schöne Kleidung zu zaubern. Ein bisschen Experimentierfreude genügt!
Am besten auf dem gemütlichen Sofa, bei knisterndem Holzofen, Kakao und Kuchen. Dazu ein Lieblingsfilm und ein süßer Cocki, der dir die Füße wärmt und zufrieden vor sich hin schnarcht. So lässt es sich aushalten!
Chronologischer Arbeitsablauf:
- Zum Strickstoff passenden Stoff suchen: Sweat, industriell hergestellter Strickstoff, oder auch Upcycling Stoffe (falls nötig: beide Stoffe vorwaschen)
- Teststicken der schwarzen Punkte
- Vorbereitung des Schnittes: Teilungsnähte einfügen / Punkte aufzeichnen/Nahtzugaben notieren
- Punkte aufnähen
- Zuschnitt der Jacke
- Teile zusammensetzen (Obere Passe und unteres Vorder-/Rückenteil, oberer Ärmel und unterer Ärmel)
- Punkte einnähen (Stichlänge 2,5 – Transport ausschalten)
- Jacke zusammennähen (Transport wieder einschalten)
- Mit Belegen versäubern
- Verschluss anbringen
Und nun zur Praxis:
Wie kommen die Punkte in den Stoff:
Als erstes besuchen wir unseren Lagerverwalter, der die Stoffreste farblich geordnet hat und decken uns mit Stoffresten ein.

Herr Napoleon stellte mir folgende Stoffreste zur Verfügung, damit ich meinen Punktestoff nähen kann:
- Strickstoff (Industrie) Meterware/Baumwolle weiß 280 g
- Dickeren Bündchenstoff für die Punkte Farbe schwarz
Bevor du mit der Stoffgestaltung startest, solltest du unbedingt ein Probestück versuchen, damit du die Wirkung und die Verarbeitung einschätzen kannst:

Vorderseite

Rückseite
- Die Kreise sind bereits auf der rechten Stoffseite aufgezeichnet.
- Stoff unterlegen: Lege ein ausreichend großes, quadratisches Stück Stoff links unter den aufgezeichneten Kreis. Kontrolliere von rechts, ob es richtig liegt.
- Nähmaschine vorbereiten: Schalte den Stofftransport aus, damit du den Stoff frei bewegen kannst. Ideal ist ein Stickfuß für Nadelmalerei. Falls sich der Stoff schwer führen lässt, helfen ein kleiner Stickrahmen oder ausreißbares Stickvlies.
- Kreise nähen: Nähe mit Geradstich (Stichlänge 2,5–3) mehrmals entlang der Kreislinie. Die Nähte dürfen ruhig wild und unregelmäßig aussehen – genau das macht den Reiz der Nadelmalerei aus!
- Kreis ausschneiden: Schneide den oberen Stoff innerhalb des Kreises vorsichtig aus, sodass der darunterliegende Stoff sichtbar wird. Wir verwenden dafür eine Applikationsschere von Madeira.
- Rückseite versäubern: Wende den Stoff auf links und schneide die überstehenden Ecken des untergelegten Quadrats knapp neben der Naht zurück.
- Jacke gestalten: Bist du mit deinem Probekreis zufrieden, verzierst du auf diese Weise die oberen zugeschnittenen Teile deiner Jacke.



Wenn du mit deinem Teststpunkt zufrieden bist, geht es zur richtigen Verarbeitung der Jacke:
Schnittvorbereitung
Damit die Punkte gleichmäßig verteilt sind, zeichne die Punkte auf den Schnittteilen ein, vordere- / hintere Passe und oberer Teil der Ärmel und schneide die Kreise aus

Außerdem habe ich den Schnitt so geteilt, dass alle Teile gleich lang sind. An den neuen Teilungsnähten muss jeweils 1 cm Nahtzugabe ergänzt werden. Damit ich das beim Zuschneiden nicht vergesse, vermerke ich es direkt auf dem Schnittmuster.

Schnitt auf das zugeschnittene Vorderteil legen und die Punkte mit einem Marker (beispielsweise von Prym) auf die rechte Stoffseite aufzeichnen. So wird der Rücken und ebenso die Ärmel für das Einnähen der Punkte vorbereitet.

Du kannst bereits jetzt deine Punkte nähen. Ich habe zuerst den gelben Strickstoff mit dem weißen Oberteil zusammengenäht und anschließend wurden die Punkte genäht. Das spielt keine Rolle. Auf jeden Fall werden die gelben und weißen Teile zu einem Schnittteil zusammengenäht.
Wie habe ich meinen Strickstoff verarbeitet:
Strickstoff kann beim Nähen ganz schön knifflig sein – besonders mein lockerer gelber Strick aus vermutlich Seidengarn.
Zunächst habe ich ihn von links vorsichtig gedämpft und nach dem Auskühlen zugeschnitten. Da sich der Strick stark verzog und nach dem Zuschnitt ausdehnte, musste ich die Nähte stabilisieren.
Dafür verwende ich aufbügelbares Nahtband. Es verhindert, dass sich die Schnittkanten beim Nähen weiter ausdehnen oder verziehen.
Wichtig ist die richtige Länge: Ich messe das Nahtband direkt am Schnittmuster ab, nicht am bereits gedehnten Strickteil. Anschließend schiebe ich den lockeren Strick vorsichtig auf die ursprüngliche Schnittlänge zusammen und bügle das Nahtband entlang der Nahtlinie auf die linke Stoffseite.
So bleiben die zugeschnittenen Teile maßhaltig, die Nähte werden stabilisiert und lassen sich deutlich leichter zusammennähen.

Sind alle Punkte aufgenäht, wird die Jacke wie eine gewöhnliche Stoffjacke weiterverarbeitet. Die vorderen Kanten verstärke ich mit Bügeleinlage, die Kanten werden mit Belegen aus Baumwoll-Waffelpiqué-Resten versäubert. Natürlich wird die Jacke auch versäubert, bei mir mit der Overlock, optional Zickzackstich und Nähmaschine.
Wie du siehst, kombiniere ich Materialien ziemlich gnadenlos miteinander – und es funktioniert wunderbar! Dabei entstehen oft überraschende Effekte, die ursprünglich gar nicht geplant waren.

Als Hingucker wurden farblich passende Paspeln an den Ausschnittbeleg genäht




Letztendlich habe ich mich dafür entschieden anstatt Knöpfe lieber Druckknöpfe zu verwenden. Der gelbe Strickstoff hätte ziemlich gezickt beim Einnähen der Knopflöcher und darauf kann ich gut verzichten, zumal hier ein Auftrennen auch nicht möglich gewesen wäre.

Die Jacke soll nur als Beispiel dienen. Du kannst mit dieser Methode auch dein eigenes Muster gestalten, Quadrate, Dreiecke oder was immer dir auch einfällt. Anstatt des Bündchenstoffes kannst du die Kreise mit Spitze hinterlegen, mit Samt usw.. Auch bei dir werden sich vermutlich viele Stoffreste finden.
Und hier noch ein paar Ideen:
Wie wäre es mit „Miro“ und „Kandinsky“ als Ideenlieferanten?



und hier noch ein paar Skizzen, welche Stoffmanipulationen du noch vornehmen könntest, es müssen ja nicht gerade Punkte sein, obwohl, die haben schon was, wie es der derzeitige Modetrend wieder spiegelt.
Fazit:
Auch wenn du, so wie ich kein Meister an den Stricknaden bist, brauchst du auf diese gemütliche Handarbeit nicht zu verzichten. Einfache Maschen, vorhandene Stoffe und ein bisschen Experimentierfreude, sowie gute Grundkenntnisse beim Nähen reichen für den Anfang.
Und am Ende bleibt das schöne Gefühl, aus vorhandenen Materialien etwas Neues geschaffen zu haben – ganz ohne zusätzliche Stoffeinkäufe, dafür mit vielen gemütlichen Strickstunden und leckerem Kuchen.
Solltest du keine Wollvorräte haben, empfehle ich dir Konenwolle. Unter diesem Fachbegriff wirst du bei Ebay fündig. Es handelt sich hier um Überproduktionen aus der Industrie. Die Wolle ist sehr dünn, so dass du mehrere Fäden zusammen wickeln musst, dafür ist diese Wolle sehr viel günstiger als Handarbeitsknäuel. Du kannst somit auch die Stärke der Wolle selbst bestimmen. Das ist zwar ein bisschen mühsam, gehört bei mir zu den mediativen Arbeiten und bei einem spannenden Krimi geht es auch ganz schnell, dass du ein fertiges Knäuel Wolle in Händen hältst. Alternativ gibt es auch Wollwickler die richtig gut funktionieren.

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Hey, ich bin Silvi.
Ich bin der kreative Kopf hinter TOSCAminni und lebe mit meiner Tochter und unseren beiden Cocker Spaniels Napoleon und Louie im schönen Niederbayern.
Mit meiner ersten Barbiepuppe begann meine Liebe zum Nähen. Seit 2008 entwickle ich Schnittmuster und ausführliche Nähanleitungen, mit denen auch aufwendig wirkende Projekte Schritt für Schritt gelingen. Im Blog teile ich außerdem Ideen rund um’s Selbermachen, Kochen, Backen und einen bewussten Alltag.
Transparenzhinweis: Dieser Beitrag beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen. Zur sprachlichen und redaktionellen Optimierung des Textes habe ich KI-Unterstützung verwendet. Sämtliche Inhalte wurden von mir persönlich geprüft, überarbeitet und freigegen. Einige Bilder sind mit KI-generiert und mit dem Label „KI“ gekennzeichnet.


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